Willem fragt: „Ist Pippi Langstrumpf noch zeitgemäß?“

Willem fragt: „Ist Pippi Langstrumpf noch zeitgemäß?“

Willem fragt: "Sind Märchen und Kindergeschichten noch politisch korrekt?"

Die Pädagogik wärmt zurzeit die Tendenzen der 70er Jahre auf. Alte Kinderbücher sollen umgeschrieben werden, weil sie Worte verwenden, die momentan nicht mehr politisch korrekt sind. Märchen sind „zu brutal“, werden als „Horrorszenario“ bezeichnet und Mythen als Aberglauben abgestempelt.

 

Neulich war meine kleine Enkelin mal wieder bei uns zu Gast. Auf die Frage: „Was wollen wir denn nun Spielen?“ antwortete sie mir: „Opa, lies mir was vor.“ Vorlesen. Das ist eine dieser Tätigkeiten, zu der ich eine Art Hassliebe habe. Das Ritual an sich ist schön. Zum Einschlafen wird ein Kapitel oder ein kleines Büchlein vorgelesen. Meine Enkelin hört auf ihre Weise aufmerksam zu und schläft nicht selten dabei ein. Manchmal sogar noch vor mir. Alles ganz einfach und schön. Schwierig wird es dann allerdings bei der Auswahl der Texte. Zu den Büchern, die mich durch meine Kindheit begleitet haben, gehört die Geschichte vom kleinen Kater Schnurr. Das Exemplar war gut erhalten. Ich zeige es meiner Enkelin und die sagte: „So eins habe ich auch mit, daraus kannst vorlesen.“ Bereits nach fünf Minuten schlummerte sie ein.

 

Ich nahm mir die Zeit, die beiden Bücher zu vergleichen. Der Text des neuen Buches hatte mit dem des alten nicht mehr viel gemein. Die, wie ein Märchen erzählte Geschichte, war ersetzt worden, durch einfache, teils primitive Sätze und banale Dialoge. Der Umfang des Textes ist um gut die Hälfte gekürzt worden. Für bedenklich halte ich, dass der Text eigentlich nur noch eine Beschreibung der Illustrationen liefert und nicht mehr das erzählt, was zwischen den Bildern geschieht. Die schöne Geschichte um den ungezogenen Kater, der nur Unsinn im Kopf hat und der nicht in die Schule gehen will, hat somit ihren einstigen Zauber verloren.

Sicher gibt es Passagen, die heutzutage Problematisch sein können, nämlich dann, wenn Fräulein Mimi die Lehrerin „böse“ wird und sich Schnurr „in die Ecke stellen“ muss. Aber das könnte man feinfühliger ändern und nicht schreiben: „Schnurr sei zu dumm zum Lernen“. Denn das vermittelt Kindern den Eindruck, dass man durch Lernen nicht klug werden kann.

Ich weiß nicht, welche pädagogischen Gründe die Verantwortlichen des Verlages dazu veranlasste, die Geschichte vom kleinen Kater Schnurr derartig zu verhunzen, dass sie kaum noch wiederzuerkennen ist, sondern auch noch fragwürdige Formulierungen enthält, die ich Kindern nicht vermitteln würde. Andererseits frage ich: „Sind alte Geschichten, wie „Pippi Langstrumpf“, „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ oder „Grimms Märchen“ mit ihren teils brutalen und rassistischen Merkmalen zeitgemäß?

Liebe Portaner, was meint ihr dazu?

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