Politik muss Farbe bekennen

Politik muss Farbe bekennen

Der Mensch braucht den Wald, aber der Wald braucht den Menschen nicht. Wie der Wald genutzt werden darf, muss klar geregelt sein.

Derzeit ergeben sich bei der Waldnutzung in Porta Westfalica Interessenkonflikte, deren Brisanz noch nicht so richtig in der Öffentlichkeit angekommen zu sein scheint.

Mit der „Prager Erklärung“ hat die Europäische Union bereits 2009 dazu aufgerufen, zum Schutz des europäischen Naturerbes Konzepte für die Entwicklung von Wildnisgebieten zu erarbeiten. In Deutschland sollen darum zehn Prozent des öffentlichen Waldes für eine natürliche Entwicklung bereitgestellt werden. Es geht um Biodiversität und darum, dass sich die Natur frei entfalten kann. Es sollen sich neue Urwälder entwickeln. Damit das geschehen kann, werden die ausgewiesenen Wildnisentwicklungsgebiete aus der Bewirtschaftung herausgenommen und weitgehend sich selbst überlassen. Die Forstbetriebe bekommen dafür einen finanziellen Ausgleich.

Vom Grundsatz her sollen Wildnisentwicklungsgebiete für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben, nicht zuletzt, damit sich die Bürgerinnen und Bürger ein Bild davon machen können, wie sich Wälder unter ungestörten Bedingungen naturnah entwickeln. Doch dieser Grundsatz scheint in Gefahr zu sein, wie wir am Beispiel Wolfsschluchtweg sehen.

Der Wolfsschluchtweg ist ein beliebtes Ausflugsziel und touristisch sowie kulturhistorisch bedeutend. Da er als Wildnisentwicklungsgebiet nicht bewirtschaftet wird, ist er aber auch nicht ganz ungefährlich. Alte, kranke und abgestorbene Bäume werden nicht entfernt und stellen somit eine Gefahrenquelle dar. Dass der Forstbetrieb einen Konflikt mit seiner Verkehrssicherungspflicht sieht, ist sicher nachvollziehbar. Für mehr als 18 Jahre bestand ein Kompromiss, der Waldbesuchern das Betreten des Weges auf eigene Gefahr ermöglichte. Im Sommer hat das Regionalforstamt OWL unter Berufung auf die Verkehrssicherungspflicht und eine entsprechende Anordnung des Umweltministeriums NRW den Wolfsschluchtweg geschlossen und damit letztlich einen Präzedenzfall geschaffen, denn in sich wild entwickelnden Waldgebieten werden sich immer Gefahren finden und belegen lassen. Während die Politik also die Ausweisung von Wildnisentwicklungsgebieten unter Beibehaltung des allgemeinen Betretungsrechts beschlossen hat, hat ein Ministerium in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb einen Weg gefunden, den politischen Willen unter Berufung auf mögliche Gefahren auszuhebeln. Wenn ein Förster dann noch in der Presse beklagt, dass die Corona-Pandemie zu einer stärkeren Frequentierung des Waldes geführt habe, dann braucht man nicht allzu viel Phantasie, um sich auszumalen, dass die Schließung des Wolfsschluchtwegs nur der Beginn einer deutlich restriktiveren Reglementierung war.

Witthüs-Präsident Martin Möller bemängelt massive Nutzungskonflikte. Er fürchtet, dass die Forstbehörde der Öffentlichkeit den Wald Stück für Stück entziehen würden. Ein Interview dazu finden Sie hier. Sein Lösungsansatz, dass die Politik einen Bebauungsplan für den Wittekindsberg aufstellen müsse, klingt logisch. Leicht wird das aber ganz sicher nicht, denn zum einen dürfte verwaltungsrechtlich so manch eine Klippe zu umschiffen sein, zum anderen wird es natürlich auch mächtigen Gegenwind vonseiten der Forstbehörde geben.

Im neuen Rat der Stadt Porta Westfalica wird es ganz sicher Themen geben, mit denen sich die Ratsmitglieder lieber befassen werden. Wegducken geht aber nicht, denn wenn man die Vorgänge ignoriert und wie ein Wildnisentwicklungsgebiet sich selbst überlässt, werden von anderer Seite Fakten geschaffen, die sich - wenn überhaupt – nur mit sehr großem Aufwand korrigieren ließen. Der Rat sollte sich wenigstens mit der Frage befassen, was auf dem Wittekindsberg geschehen soll. Will man einen von Menschen möglichst wenig genutzten Urwald oder soll auch in Zukunft den Bedürfnissen der Menschen nach naturnaher Erholung und kulturhistorischem Genuss Rechnung getragen werden. Beides sind Positionen, die man in einem demokratisch geführten Diskurs vertreten darf. Der Wittekindsberg bewegt die Bürgerinnen und Bürger. Sie wollen wissen, ob dieser bedeutende Natur- und Kulturraum erhalten bleibt und entwickelt wird oder ob er in Zukunft für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sein wird. Also bitte nicht rumschwurbeln, sondern Farbe bekennen.

 

Mario Hancke

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