Neustart an der Wittekindsburg

Neustart an der Wittekindsburg

„Es geht wieder los – und hört dann nicht mehr auf!“ Mit diesen Worten bewirbt die Wittekindsburg in sozialen Medien das Wochenende nach Ostern. Wir sprachen darüber mit Witthüs-Präsident Martin Möller.

„Es geht wieder los – und hört dann nicht mehr auf!“ Mit diesen Worten bewarb die Wittekindsburg in den sozialen Medien das Wochenende nach Ostern, an dem sich ein neues Team vorstellen werde, um dann immer samstags und sonntags Gäste auf dem Wittekindsberg zu bewirten. „Das sind großartige Neuigkeiten“, freute sich eine Portanerin in den Kommentaren. Und tatsächlich auch ein wenig überraschende Neuigkeiten, denn um die Burg und das angrenzende Gästehaus gab es in den vergangenen Jahren viele Konflikte. Ist nun also tatsächlich ein Ende des jahrelangen Streits in Sicht? Über die aktuelle Situation und die Perspektiven der Burg sprachen wir mit dem Präsidenten des Vereins Witthüs e.V., Martin Möller.


Herr Möller, Sie haben angekündigt, dass es mit der Burg jetzt wieder losgehen würde. Betrifft das nur den Pavillon?


Wir planen, alle Bereiche der Burg wieder in Betrieb zu nehmen, natürlich in Abhängigkeit davon, wie wir jetzt Sanierungsmaßnahmen durchführen können. Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr die Dachflächen der Burg erneuern können. Dafür ist ein großes Gerüst erforderlich, wodurch der Festsaal in dieser Zeit nicht nutzbar wäre. Es beginnt also mit dem Pavillon, der immer samstags und sonntags geöffnet sein wird, aber wir starten jetzt auch wieder mit der Vermietung der Räume.

Und wie ist das erste Wochenende gelaufen?


Bis auf den Anruf am Morgen, dass in der Burg kein Wasser läuft, lief alles recht entspannt. Das Problem am Pumpenwerk wurde behoben und dann konnte es losgehen. Das Wetter am Samstag hat die neue Mannschaft genutzt, um noch einmal alles zu justieren. Sonntag war es dann entspannt schön. Und es war ein richtig tolles Gefühl, so viele glückliche Gesichter auf der Burg (wieder) zu sehen.

Eine Dachsanierung ist ja kein kleines Projekt. Kann Witthüs das finanziell überhaupt stemmen?


Wir bewerben uns ja schon seit Jahren um Fördermittel. Jetzt haben wir endlich die Voraussetzungen, Landes- und Bundesmittel zu generieren, weil wir nun die öffentlich-rechtliche Erschließung der Burg nachweisen können. Es gibt aktuell keine konkreten Zusagen von Fördermitteln, wir sind aber in sehr konstruktiven Gesprächen. Beworben haben wir uns zunächst um einen sechsstelligen Betrag. Für die Förderung ist ein Eigenanteil von zehn Prozent erforderlich. Dafür haben wir bereits Zusagen aus der Wirtschaft.

Um die Erschließung wurde mehrere Jahre gerungen. Warum war das so wichtig?


Unsere erste Bewerbung um öffentliche Gelder scheitere daran, dass die Bezirksregierung, damals noch Regierungspräsidentin Thomann-Stahl, von uns einen Nachweis forderte, der eine Erschließung darlegt. Als wir die Stadt Porta Westfalica dann um einen solchen „Zettel“ baten, gab es plötzlich ein riesiges Tamtam in Form einer mehrseitigen Presseerklärung in der sinngemäß stand: „Ihr seid nicht erschlossen“. Das kam unerwartet, denn vorherige Verlautbarungen der Stadt waren immer „da oben ist alles in Ordnung“. Also wussten wir nun, dass ohne Erschließung niemals öffentliche Unterstützung möglich ist. Das war natürlich ein existenzielles Problem, denn es war klar, dass wir mit dem witterungsabhängigen Kioskbetrieb nicht genügend Mittel in die Kasse spielen werden, um dem Sanierungsstau entgegenzuwirken. Und so machten wir uns auf den Weg und erstellten das Grundgerüst des heutigen Burgwegevertrages. Bis auf einen letzten Waldbesitzer hatte jeder der Vereinbarung zugestimmt. Damit blieb das Problem der nicht öffentlichen Erschließung weiterhin bestehen, denn einer fehlte. Es wurde ausgemacht, dass sich die Stadt darum kümmert. Der damalige Bürgermeister Bernd Hedtmann war dann bereits auf dem Sprung in die Rente, Frau Dr. Gerlach war plötzlich weg und der technische Beigeordnete Mohme hatte das Thema auch nicht wirklich im Fokus. Und die jetzige Bürgermeisterin Grotjohann war wohl noch mit anderen Dingen beschäftigt, als die Suppe überzukochen drohte.

Was meinen Sie damit?


Wir erfuhren, dass der letzte „Waldeigentümer“ niemals den Vertrag unterschreiben werde und stinkesauer darüber sei, wie man ihn hinhielt.

Wie haben Sie es geschafft, die Kuh vom Eis zu bekommen?


Ich nahm dann erstmals Kontakt zu ihm auf, was am Ende dazu führte, dass er zugunsten der Wittekindsburg die rettende Baulast eingetragen hat. Das war ein kribbeliges Manöver, quasi ein All-In, welches aber gut ausging.

Sind damit  auch das Gästehaus und die Margarethenklus erschlossen?


Die letzte noch fehlende Baulast wurde ausschließlich für Witthüs eingetragen.

Ist die Erschließung gleichbedeutend damit, dass man nun mit dem Auto zur Burg fahren darf? Wie wird das zukünftig mit der Schranke geregelt?


Die Schranke funktioniert vom Prinzip her recht einfach für die Öffentlichkeit. Wer keine Genehmigung von uns hat, den Weg zu befahren, benutzt ihn widerrechtlich. Wir müssen die Dinge in Absprache klären, weil wir sehr begrenzte Parkplatzmöglichkeiten haben. Wenn zu viele Autos an der Burg sind, kann es mitunter gefährlich werden, nicht zuletzt wegen der Rettungswege. Ausweichparken in der höchsten Naturschutzzone Europas verbietet bereits die menschliche Logik.

Es gab ja mal die Idee, die Besucher mit einem Shuttleservice zur Burg zu bringen. Wie sieht es damit aus?


Witti lebt und ist geschützt in einem ehemaligen Bunker eingelagert, wenn das die Frage ist. Wir befinden uns noch immer in diversen Verfahren mit der Stadt Porta Westfalica vor Gericht. Das Mediationsverfahren ist ja nur eines davon. Bürgermeisterin Grotjohann hat kürzlich wohl über die Tagespresse angekündigt, dass das Verfahren nun enden wird. Das kommt etwas unerwartet, sofern man den veröffentlichen Worten Glauben schenken kann. Ich kann heute nicht sagen, wie die Dinge enden werden. Wir sind sehr daran interessiert, dass es vorbei ist, aber mit Sinn und Verstand und nicht, weil es gerade mühsam scheint. Nur so viel - wenn Stadt und Verein nicht die „wir-haben-uns-alle-lieb“-Pressemitteilung nach Beendigung des Verfahrens herausgeben, brauchen wir mit großer Sicherheit auch nicht darüber philosophieren, wie wir mit Witti beispielsweise einen Pendelshuttle zum Kaiser organisieren. Dann dauert es halt im schlimmste Falle noch etwas länger, bis Witti genutzt werden kann und andere Dinge funktionieren dürfen, denn dann müsste erst ein Urteil abgewartet werden. Wenn die Portaner Verwaltung keine Klarheit herstellen kann, muss es halt irgendwann ein Richter tun. Wenn die Mediation scheitert, wäre erst in acht bis zehn Jahren mit einem endgültigen Urteil zu rechnen, vermutet unser Rechtsbeistand. Ich finde es schon jetzt erstaunlich, wie lange die Politik weggeschaut und die Verwaltung hat machen lassen. Es ist an der Zeit, dass die Politik endlich anfängt mitzukämpfen, für einen erlebbaren Wittekindsberg und nicht weiterhin durch Schweigen Schranken und Sperrungen entstehen lässt.

Sie haben gesagt, die Stadt Porta Westfalica hat Witthüs eine Baugenehmigung erteilt. Was hat es damit auf sich?


Wir haben mit dem Bauantrag ein Brandschutzkonzept eingereicht. Erstmals übrigens 2017. Dieses Brandschutzkonzept beinhaltete unter anderem die Errichtung von Ausweichbuchten auf der Zuwegung, die es ermöglichen, die Auflagen der Feuerwehr zu erfüllen. Damit sind wir baurechtlich gesichert.

Ihr Rechtsbeistand vertritt seit Jahren die Auffassung, dass es sich bei dem Gästehaus um einen Schwarzbau handelt. Zudem gab es zuletzt Probleme mit der Löschwasserversorgung und einer möglichen Tagesbruchgefahr für den Fall, dass ein Löschwasserbehälter errichtet werden würde. Was denken Sie, wie es dort weitergeht?


Witthüs kann natürlich nicht für das Gästehaus sprechen, wenngleich uns einige Probleme bekannt sind. Nach unserer Kenntnis ist zum wiederholten Male eine Nutzungsuntersagung für das Gebäude erlassen worden. Was die Löschwasserproblematik angeht, haben wir ein signifikantes Interesse daran, dass die Sicherheit der Burg und ihrer Besucher nicht gefährdet ist. Darum haben wir uns im Zuge der Bauscheinerstellung mit dem Untergrund beschäftigt und uns mit der Bergbaubehörde auseinandergesetzt. Im Ergebnis lässt sich sagen: Die Burg ist mit Säulen im Berginneren gesichert, das Areal drumherum offenbar nicht.
Ursprünglich bestand unser Interesse darin, dass beispielsweise Hochzeitsfeiern, die in der Burg stattfinden würden, durch den Nachbarn und dessen Übernachtungsgäste nicht mit dem Verweis auf Ruhestörung unterbunden werden könnten. Bei der jetzigen Lage fehlt mir die Fantasie, wie das Problem nochmals auftreten könnte. Nach unserem Kenntnisstand verhandelt die Stadt derzeit mit dem Eigentümer über den Kauf der Immobilie. An der Einschätzung unseres Anwalts, dass es sich um einen Schwarzbau handelt, hat sich nichts geändert.

Wir haben selbstverständlich ein Bewusstsein dafür, wo sich die Burg befindet. Schon aus unserem eigenen Anspruch heraus wollen wir, dass die Veranstaltungen dem Umfeld angemessen sind. Aber aus den Veranstaltungen können dann eben keine Nachbarschaftsstreitigkeiten mehr entstehen.

Und wie geht es für Witthüs weiter?


Unsere Vorstellung ist, dass die öffentliche Hand das Denkmal mit Mitteln schützt und wir als Verein den Betrieb sicherstellen und damit die laufenden Kosten bewerkstelligen können. Das ist ein langfristiges Vorhaben, was bestimmt weitere fünf bis zehn Jahre dauern kann, bis wir da sind, wie wir uns das wünschen. Bis heute - wir starteten 2015 - hat unser Projekt keinen einzigen Cent an öffentlichen Mitteln erhalten. Irgendwas war immer, warum es halt gerade nicht ging. Wir sind gespannt, ob es dieses Mal klappen darf, sind aber optimistisch, denn alle Voraussetzungen sind erfüllt.

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